Sicilia Ottobre 2010 – 2011

Private Gründe haben uns vor 4 Jahren veranlasst, ein etwas komfortableres mobiles Heim zuzulegen und verbringen so seither 9 Monate des Jahres auf Sizilien. Unsere Liebe für Italien und ganz besonders für die Insel Sicilia hatten wir aber bereits schon vor 7 Jahren entdeckt.
Die Mentalität sowie die Gastfreundschaft der Sizilianer, das warme Klima, das Meer, die Landschaft, die wunderbare mediterane Küche mit ihren frischen Zutaten, aromatischen und wohl duftenden Gewürzen – ja und auch der Wein – haben uns begeistert und nicht mehr losgelassen.

Es gibt manche Menschen die uns als *Vagabundis* bezeichnen mögen, wir dagegen betrachten unser völlig anderes Leben als sehr interessant und finden es vorallem spannend in andere Kulturen, in die dazugehörigen Geschichten einzutauchen und den Menschen die uns begegnen aus völlig neuen Erkenntnissen und Blickwinkeln heraus zu betrachten.

Wir sind Individualisten die nicht nur schöne Strände zu schätzen wissen, sondern abseits des Massentourismus das ursprüngliche Sicilien und ihre Bewohner kennenlernen möchten. Wir schauen sehr gerne über den Tellerrand und auch besonders gerne in fremde Küchen sprich Kochtöpfe und den dazugehörigen Weinkellern. ;o))
Und es ist uns dann eine ganz besondere Freude, wenn es uns gelingt eine Gegeneinladung aussprechen zu dürfen, diese auch angenommen wird, um dann in unserem kleinen Reich mit den Gästen gemeinsam zu essen, zu lachen, zu reden – sei es auch mit Händen und Füssen – und im Anschluss als Dank ein *Buono* zu erhalten.

Bitte… was kann es noch schöneres geben?

I Preparativi – Vorbereitungen

Das Ticket für die Fähre nach Palermo ist gebucht. Reiselustig wie wir sind, ist das Wohnmobil seit Tagen schon auf Hochglanz gebracht und bepackt. Kleinere Reparaturen, TÜV sowie Erneuerungen bzw. Ergänzungen an Board wurden durchgeführt. Letzte Dinge müssen noch erledigt werden und dann endlich wird die Haustür geschlossen.

In Deutschland ist es bereits seit Tagen sehr kalt und neblig. Die Wetteraussichten für das kommende Wochenende nicht berauschend und so hoffen wir, dass wir den Plöckenpass noch ohne Wintereinbruch überqueren können. Aus diesem Grund werden wir nicht bei unseren Freunden in Kärnten Station machen.

Unser erstes Ziel ist Arta Therme.

Was uns auf dieser Reise erwartet… wir werden sehen und Ihr auch.

La Partenza – Abfahrt

Es ist soweit und wir sind wieder unterwegs nach Sicilia …

Zügig und ohne nennenswerte Vorkommnisse verlassen wir Deutschland, durchqueren Österreich, überqueren bei wolkenverhangenden Himmel den Plöckenpass und sind um 14:00 Uhr in Arta Therme.

In Arta Therme erwartet uns ein schöner ruhiger Stellplatz und ein wohltuendes und entspannendes Bad in der Therme. Nach den aufregenden, turbulenten und auch traurigen Begebenheiten der letzten 3 Monate, beschließen wir hier noch einige Tage zu verweilen und uns etwas Gutes zu gönnen. Guisi und Dino, unsere Freunde aus Parma, haben Verständnis für unseren Wunsch zu relaxen und freuen sich bereits jetzt schon auf den fest versprochenen Besuch auf unserer Rückreise. Am nächsten Morgen werden wir durch schwere Regentropfen geweckt und bei einem Blick aus dem Fenster, sehen wir den Plöckenpass verschneit. Glück gehabt…

Weiter geht unsere Reise durch die Toscana mit mehreren Zwischenstops und in Potras übernachten wir mitten in der Innenstadt auf dem Marktplatz sehr ruhig und ungestört. Am folgenden Tag brechen wir zeitig auf und fahren zu unserem Stellplatz in Marina di Pisa und verbringen hier einen schönen sonnigen Tag mit Blick auf das Meer und einem Spaziergang.

Wo ist unser Schiff…?


Wir finden uns beizeiten in Livorno am Hafen ein. Es sind noch 4 Stunden bis zur planmäßigen Abfahrt und wir haben Zeit das geschäftige Treiben und die anderen Schiffe zu beobachten.
Dann allerdings wird die Geduld auf eine harte Probe gestellt und wir stellen uns alle die Frage: ‚Wo ist unser Schiff ‚Tinacia‘?
Wir warten und warten geduldig mit weiteren 4 Campern, einem Wohnmobilgespann und etlichen PKW’s… endlich um ca. 22:45 Uhr bemerken wir die Ankunft unseres Schiffes und beobachten das hektische Entladen. Um 00:10 Uhr werden wir hinter dem Gate in geordneten Reihen eingewiesen und die Formalitäten erledigt. Alles verläuft erstaunlich ruhig und diszipliniert. Endlich um 00:45 Uhr wird Zeichen gegeben und wir können an Bord rollen. Wir stehen Steuerbord in 2. Reihe und sind so sicher vor der Gischt der heranrollenden Wellen geschützt. Nach einem letzten Blick auf das nächtlich von Lichtern erhellte Livorno und dem letzten Schluck „Zweigelt“ – den allerletzten Schluck erhält wie immer Neptun – krabbeln wir todmüde in unsere Koje, während das Schiff noch beladen wird. Die Ruhe dauert allerdings nicht lange. Es klopft und uns wird freundlich mitgeteilt, daß der Kapitän wegen schlechten Wetter eine Kabine für uns bereit gestellt hat. Also ziehen wir mit Sack und Pack in eine Innenkabine um, fallen um 2:00 Uhr total übermüdet in zwei hervorragende Betten und schlafen wie die Murmeltierchen sofort ein. Die Abfahrt um ca. 2:30 Uhr bekommen wir daher gar nicht mehr mit. Die schwere See veranlasst viele Passagiere in ihren Kabinen zu bleiben und so schlendere ich breitbeinig am nächsten Morgen alleine über das Deck und erkunde die ‚Tanaci‘. Um 12:00 Uhr wird das Ristorante geöffnet und der Schiffskoch wartet vergeblich aufhungrige Mäuler. Bis zum späten Nachmittag verbringe ich die Zeit mit Lesen und Fernsehen. Um 17:30 Uhr lautet das Komando *Kabinen räumen*. Während ich unser Gepäck wieder zu unserem Womo bringe, beobachte ich wie das Lotsenschiff längsseits und der Lotse an Bord kommt. Nun liegt Palermo im Lichterglanz vor uns und wir nehmen langsam wieder Fahrt auf um in den Hafen zu fahren.

L’arrivo – Ankunft

 


Neue Erfahrung…

Wir sind die letzten die um 20:30 Uhr von Bord rollen können und werden von den anderen 5 mitreisenden Campern – aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden – bereits erwartet. Keiner von ihnen war schon einmal auf Sizilien oder hat ein Navi an Board und keiner weiss, wo er die erste Nacht verbringen wird. Na sauber… Sie schliessen sich uns an und es ist eine wahre Herausforderung, nicht nur uns, sondern auch die Mitreisenden im Konvoi durch das nächtliche und quirlige Palermo in Richtung Sferracavallo zu lotsen. Doch es geht alles gut und wir kommen gemeinsam und wohlbehalten auf dem Campingplatz *Camping degli Ulivi* in Sferracavallo an. Aufatmen bei uns und ein *Grazie Mille* an die Palarmentiner.


La permanenza – Aufenthalt

  • Sferacavallo/Palermo

Am darauffolgenden Tag fahren wir mit dem 628er und 101er Bus nach Palermo. Zunächst statten wir Vodafon einen Besuch ab, da es ein Problem mit der Internettverbindung gibt. Dieses ist zu meiner Freude schnell behoben, denn nun stehen mehrere obligatorische Besuche auf dem Programm.

Es klingt, riecht und schmeckt wie im Orient… auf den Märkten von Palermo!

Auf den Märkten in Palermo (Mercato Capo, Mercato Ballarò und Vucciria) werden an Carrello’s mit Milz gefüllte Brote, coratelle – geröstete Milchlammdärme und Innereien -, geröstete Sardinen und frisch gekochter Polpo (Octopus) angepriesen und verkauft.

Die „Frittuaroli“, bieten die in heißem Öl ausgebackenen verschiedenen kleinen Fische, Zucchiniblüten, Melanzane und andere Gemüsesorten an. Die herrlichen ‚Arrancine‘ sind keine Orangen, sondern mit Hackfleischsugo, Erbsen und frischem Caciocavallo-Käse gefüllte, paniert und ausgebackene goldene Reisbälle.

Alles für die sizilianische Küche…

Der Rucksack füllt sich mit Pesto Palermitano; Astratto di Pomodoro; Bottarga, das ist getrockneter Thunfisch oder Meeräschenrogen, Passolina e Pinoli und Kapern aus Pantelleria.

Das franz. Ehepaar lädt uns zu einem Aperitivo mit vielen kleinen Leckereien – als kleines Dankeschön für unsere Hilfe – ein und nach und nach setzen sich auch die Anderen hinzu. Es ist eine lustige, aber auch interessante Gruppe und wir beschließen am Abend gemeinsam zum Essen zu gehen. Und wohin geht man in Sferracavallo um Fisch zu essen? Nichts ist leichter zu beantworten als diese Frage. Denn Fisch isst man am besten in Sferracavallo an der Meer-Promenade, in der Trattoria ‚Al Delfino‘ oder in der Trattoria ‚Temptation‘. Hier gibt es ein Fisch Menü, bestehend aus ca. 16 Gängen und einem abschließenden Sorbet, incl. Vino und Acqua zum Preis von derzeit 27,00 € pro Person. Wir entscheiden uns für die Trattoria ‚Al Delfino‘ und werden nicht enttäuscht. Das Essen ist ausgezeichnet und es entwickeln sich sehr nette Gesprächsthemen, von denen sich jeder neue An- und Einsichten mitnehmen kann. Ein wirklich rundum gelungener Abend!!!

IL DELFINO RISTORANTE TRATTORIA v. Torretta 80 – Sferracavallo T 091 530282 Öffnungszeiten: Lunedi è chuiso

Vado matta per i Dolci… !!!


Wer dann noch Gusto auf etwas Süßes hat, sollte unbedingt die Bar del Golfo aufsuchen. Hier bekommt man nicht nur leckeres Eis sondern auch die unglaublichsten und verführerischsten Dolci’s.

Bar del Golfo Via Torretta, 68-SFERRACAVALLO  T 091 6912829 Öffungszeiten: Lunedi è chuiso


Bildquelle: Bar del Golfo, Sferracavallo

 

Mit Gina und Iwan fahren wir auf den Monte Pellegrino. Auch Goethe war am 6. April 1787 hier und er schwärmte von der Harmonie von Himmel, Meer und Erde. „Wer es gesehen hat, der hat es auf sein ganzes Leben. Er ist entzückt von der milden, warmen und wohlriechenden Luft, dem lauen Wind, den frisch grünenden Maulbeerbäumen, Oleandern und Zitronenhecken. Seine Begeisterung können wir nicht mehr nachvollziehen, denn vieles hat sich verändert. Die Gärten der „Conca d`oro“, die alten Zitrushaine rings um die Stadt bis hinauf in die südlichen Berge am Fluss Orete entlang, sind zubetoniert mit Wohnsilos.


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