In Sizilien fällt Manna nicht vom Himmel…

Im Gebiet der Madonie werden seit mehreren Jahrhunderten außer Weizen auch noch Oliven, Wein und Mannaeschen angebaut.
Die Mannaeschen findet man in Sizilien seit der Zeit der arabischen Vorherrschaft und in der Nähe von Cefalù gibt es sogar eine Ortschaft, die Gibilmanna (auf arabisch Gebel- manna: Mannaberg) heißt.
Die Esche (Fraxinus excelsior) war schon immer über den ganzen Nordosthang der Madonie verbreitet: von San Mauro bis nach Petralia, von Tusa bis nach Collesano. Bis ins Jahr 1800 gab es auch in der Gegend um Palermo sowie in den Gemeinden Cinisi und Terrasini Eschenanpflanzugen. Doch in heutiger Zeit wird der alte Brauch, nach dem man Kerben in die Eschenstämme ritzt, um ihren Saft entnehmen zu können, nur noch in einem Teil des Gebiets um Castelbuono und Pollina fortgesetzt.
Der Name Manna wurde diesem sizilianischen Erzeugnis deswegen verliehen, weil seine Form und sein Geschmack an die Speise erinnern, die die Hebräer eines Morgens auf den Sträuchern vorfanden, als sie von Moses durch die Wüste geführt wurden. Die Bibel berichtet, daß diese „Speise von weißer Farbe, die nach Mehl und Honig schmeckte“ an allen Tagen mit Ausnahme des Samstags vom Himmel fiel und daß sich die Hebräer, nachdem sie dieses Geschenk des Himmels gefunden hatten, sich gegenseitig fragten: „Man-hu“, was auf hebräisch „Was ist das?“ bedeutet.
In Sizilien fällt die Manna nicht vom Himmel, sondern fließt aus den Einkerbungen heraus, die die Bauern „intaccalora“ an den Stämmen ihrer Eschen anbringen.
Die Manna wird nur in den Monaten Juli, August und – bei anhaltender Hitze – September hergestellt.
Jeden Tag wird – immer auf der gleichen Seite des Stamms – in mit einem speziellen Messer mit gebogener Klinge eine neue Kerbe in den Baum eingeritzt.


Aus den Ritzen, die sich jeweils im Abstand von 2 cm voneinander befinden, fließt dann eine leicht bittere und veilchenblaue Flüssigkeit, die sich, nachdem sie für einige Minuten der warmen Luft ausgesetzt ist, in eine weiße, feste und sehr süße Masse verwandelt.
Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinein stellten die Produktion und der Handel dieses Erzeugnisses für den Haushalt vieler Familien eine bedeutende Einnahmequelle dar. Die Manna wurde aus als gesundheitsfördernder Süßstoff oder an Konditoreien in Ausland verkauft und in den Apotheken verschrieb man die „Manniste“ als ein leichtes Abführmittel für Kinder.
Doch heutzutage sind die Nächte eine Seltenheit, in denen der „Mannabauer“ angsterfüllt die regenverheißenden dunklen Wolken anstarrt, die die Mühen einer ganzen Woche von den Stämmen „abwaschen“ könnten.
Auch das Leben der Bauernfamilien hat sich seitdem sehr verändert, denn während der Zeiten der Mannagewinnung hatte jeder eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen: der Familienvater und die älteren Söhne mussten jeden Tag Hunderte von Bäumen mit Kerben versehen, während es den Frauen und Kindern vorbehalten war, die Manna zu „ernten“. Wenn ein Gewitter drohte, rannten selbst nachts alle nach draußen, um „die Manna“ zu retten.
Mille Grazie Signor Guido Stecchi


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