Eine Sizilianische Mamma kocht mit Herz und viel Gefühl…


Bei 32,5° Grad und nicht gerade üppig ausgestatteten Kühlmöglichkeiten besorge ich mir jeden Tag die frischen Gemüsesorten, um nichts verderben zu lassen.
In der Lavanderia habe ich mich heute etwas vertritschelt und als ich endlich bei Signora Lina meiner Bäuerin ankomme, ist die Einfahrt mit der Kette versperrt. Das heißt soviel, sie ist selbst unterwegs. Also auf nach Pachino.
Aber hier in Pachino gerate ich bei den diversen Fruttivendolo oft in unmögliche wenn nicht peinliche Situationen. Meine Auswahl fiel heute auf jeweils 2 rote, grüne und gelbe Paprika, 1 riesige Zucchine und 1 Melanzane. Tja, dass ist für hiesige Verhältnisse etwas zu wenig. Denn Obst und Gemüse wird in Steigen oder Busta (Tüte) verkauft. Schon fing ein lautstarker Disput in vollem Sizilianischem Dialekt an, von dem ich – wenn überhaupt – nur einen Bruchteil verstanden habe. Nur soviel habe ich dann doch verstanden, daß der gute Mann meinte, ich würde so wenig kaufen weil er zu teuer sei. Passanten die vorbei gingen reckten natürlich gleich wieder die Köpfe und stellten ihre Ohrwascheln auf, um ja nichts zu verpassen. Neugierig sind sie ja alle… Bis ich diesem Mann verklicktert habe, dass ich nur einen 2 Personenhaushalt zu versorgen habe und nicht mehr benötige, aber gerne morgen wieder bei ihm einkaufen komme, verging einige Zeit. Ungläubig und kopfschüttelnd ob meines kleinen Familienstands schaute er mich an. Schlussendlich packte er alles in eine Tüte, drückte sie mir mit mitleidigen Lächeln in die Hand und verweigerte die Annahme einer Bezahlung.

Eine Küchenwaage findet man auf den ersten Blick in einer sizilianischen Küche zunächst nicht. Die Mamma kocht mit viel Gefühl, was soviel heißt, sie weiß genau wie viele Tüten oder Hände voll Zucker, Mehl etc. sie bei der Herstellung eines bestimmten Gerichtes benötigt. Während die großen Töpfe – die Größe kenne ich eigentlich nur aus der Gastronomie – dann auf dem Herd stehen und vor sich hin köcheln, wird abgeschmeckt und hier kommt dann nicht nur ihre Hand sondern auch ihr sizilianisches Herz voll zum Einsatz. Während des Kochens versucht jedes anwesende Familienmitglied aus gutem Grund, die Mamma bei guter Laune zu halten. Denn wehe sie ist verärgert… oh mio dio!!!

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